Kennt ihr diese Leute, die ständig jammern, wenn ihr nur atmet? Das erschreckt ja das Pferd. Da steht man an der Hallentür, möchte eigentlich gar nichts Konkretes, guckt nur mal, wie viel los ist, weil man ja selber nachher auch reiten möchte.
Da wird man sofort angesaugt: „Du stehst da störend rum! Deine Jacke raschelt.“ Wahlweise ist sie zu grell, jedenfalls springt der Dressurzottel jedes Mal, wenn er an der Tür vorbeikommt. Das geht so nicht. Geht man ein Stück weg, kann man wunderbar beobachten, dass die Jacke nicht das Problem ist, sondern die Besitzerin, die mit Schnappatmung durch die Reithalle gurkt und auf jedes Geräusch achtet.

Möchte man vielleicht einfach nur gucken, stört das auch. Selbst wenn die Jacke nicht raschelt und grell ist. Und man still sitzt. Und nicht atmet.
„Du sitzt auf meiner Abschwitzdecke!“ Ja, dann leg die doch nicht auf die Stühle, sondern wie jeder normale Mensch auf die Hallenbande? Ne, da stört sie … Siehe Jacke. Obwohl die gar nicht raschelt!
Ist gerade Sommer wird man dennoch angesaugt: „Kannst du mal halten? Ich möchte was trinken.“
Schwupp hat man ein Pferd an der Backe und darf mindestens eine Viertelstunde damit herumstehen, denn das Getränk scheint irgendwo in Usbekistan zu lagern.
Kommt die Meckerreiterin wieder, fragt sie dann noch keck, wieso man nicht Schritt geführt hat. Ist das mein Gaul oder deiner?

Kommt man in die Halle mit Pferd … uh, also da wird auch gejammert. Wahlweise, weil zu laut „Tür frei!“ angekündigt wurde, weil das Pferd eine zu grelle oder raschelige Schibbi-Schabbi trägt, oder weil das Pferd, das gerade in der Halle ist, keine Schimmel mag. Oder weil mein Spinnerschimmel einen miserablen Ruf hat. Der galoppiert nämlich zu laut. Manche Pferde fürchten sich davor.

Dann kommt die Reitlehrerin. Weil Winter ist, trägt sie eine raschelnde Daunenjacke. Auch nicht genehm, aber der sagt man natürlich nichts. Schnappt sich einfach die Abschwitzdecke und nimmt die als Beinwärmer. Auch hier wird nichts gesagt. Auch wenn der Dressurtrampel natürlich hysterisch davonschießt, denn die Reitlehrerin schlägt ja vorher die Decke aus. Ihr Hund kommt. Der ist auch ein Störfaktor.
Nicht für meinen Spinnerschimmel, der muckt sich nämlich nur bei imaginären Gefahren, nicht aber bei echten. Aber für den Dressurtrampel schon, der rennt kreischend davon.

Ich lasse den Schimmel antraben, aber auch das ist ihr zu laut, denn ich werde angepschtet. Tschuldigung, ich reite hier! Und die Reitlehrerin ist tausend Mal lauter als der Hufschlag des Schimmels, denn die unterrichtet jetzt eine Ponyreiterin, die in diesem Moment die Halle betritt. Viel zu laut natürlich! Und ihre raschelnde Jacke zieht sie auch aus.

An der Halle gehen ein paar Kinder vorbei. Bei uns im Stall hat man den Kindern tatsächlich beigebracht an der Halle vorbeizugehen. Zu laut ist es trotzdem, denn die Dressurfrau baut sich vor der offenen Seite auf und motzt nach draußen. Komisch, das ist dann nicht zu laut.

Ich galoppiere an und verschrecke damit schon wieder das Dressur-Dreamteam.
„Galoppierst du jetzt noch mehr?“
„Ja.“
Mit einem lauten Seufzer verlässt sie die Halle. Ohne „Tür frei!“. Ist zu laut …

Foto: Endlich ein Pferd, dem Geräusche völlig egal sind – solange niemand Handymusik einschaltet! Die beißt.